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Edzard Reuter
Der schmale Grat des Lebens
Begegnungen und Begebnisse
350 Seiten mit 13 Abbildungen
Gebunden mit Schutzumschlag
13,5 x 20,5 cm
19,90 € / 36,00 Fr.
ISBN 978-3-89850-159-0
Erscheinungstermin: September 2007
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Leseprobe:
Hanna Reuter wurde in den letzten Tagen des 19. Jahrhunderts als Johanna Kleinert in Hannover geboren. Ihr Vater, seit Jugend an Sozialdemokrat, besaß eine kleine Gastwirtschaft, die unmittelbar gegenüber der Hauptpforte der Gummifirma Continental lag. Entsprechend unbezahlbar war der Vorteil, daß die Arbeiter dort einen Teil ihres jeweils am Freitag empfangenen Wochenlohns in Bier umzusetzen pflegten. Als ältestes Kind der in ihrer Art sicherlich ganz kleinbürgerlichen Familie hatte Hanna zwar keinerlei Probleme in der Schule. Ein weiterführender Abschluß stand aber wohl nie zur Diskussion. So mußte sie sich bald ihren eigenen Lebensweg suchen.
Genaueres weiß ich darüber nicht –außer, daß sie mir einmal davon erzählt hat, wie sehr sie sich schon früh zu den Kreisen um Kurt Schwitters und dessen DADA-Freunden hingezogen fühlte. Das Interesse an zeitgenössischer Kunst aller Gattungen sollte ihr auch später erhalten bleiben (und sie hat es an mich weitergegeben). Unabhängig davon muß sie allerdings die familiäre Atmosphäre als so einengend empfunden haben, daß sich ihr Sehnen bald darauf richtete, in die ja nicht weit entfernte Hauptstadt Berlin entfliehen zu können. Das gelang ihr 1924, als sie – nachdem sie sich offensichtlich das dafür erforderliche Rüstzeug angeeignet hatte – eine Anstellung als Sekretärin in der Redaktion der offiziellen Tageszeitung der SPD, des „Vorwärts“, fand. Der erste und zweifellos wichtigste Wendepunkt ihres Lebens, die Bekanntschaft mit Ernst Reuter, sollte darauf folgen.
Rothaarig und temperamentvoll, dabei ebenso intelligent wie interessiert und weltoffen, war Hanna Reuter offenbar eine höchst attraktive junge Frau. Trotzdem fühlte sie sich wohl zunächst in Berlin mehr oder minder einsam, mit der Folge, daß sie sich in eine unglückliche Beziehung zu einem verheirateten Mann flüchtete.
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Edzard Reuter schildert Menschen, denen er begegnet ist und die ihn beeindruckt haben – Alexander Dubček zum Beispiel und Bruno Kreisky, Alfred Herrhausen und Hanns-Martin Schleyer, Shepard Stone und Melvine J. Lasky. Oder den Archäologen Manfred Korfmann, den Maler Günter Scharein, den Graphiker Kurt Weidemann und den Segler Jochen Schümann, aber auch seinen Skilehrer in Zürs am Arlberg und seine Lehrerin in Ankara. Diese Menschen verkörpern für Edzard Reuter in den Bruchzonen unserer Zeit „unverwechselbare europäische Kultur“ – mit einer Ausnahme, einer fiktiven Frau in Alaska, deren erfundenes) Schicksal als Beispiel für moralische Stärke am Abgrund des Lebens erzählt wird. Das Buch schließt mit einem Dank – dem Dank an Hanna Reuter, die Mutter des Autors.

Edzard Reuter, am 16. Februar 1928 in Berlin als Sohn des späteren Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter geboren, studierte Mathematik, Physik und Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin und legte während seiner Tätigkeit als Assistent an der Juristischen Fakultät der Freien Universität Berlin 1955 das 2. juristische Staatsexamen ab. Von 1957 bis 1964 nahm er leitende Funktionen bei deutschen Unternehmen, zuletzt innerhalb der Bertelsmann-Gruppe, wahr. Von 1964 bis 1995 ist Edzard Reuter bei der DaimlerBenz AG tätig gewesen, wo er 1973 zunächst als stellvertretendes und ab Frühjahr 1976 als ordentliches Mitglied des Vorstandes verantwortlich für das Ressort Unternehmensplanung und Organisation war. 1980 übernahm er das Ressort Finanz- und Betriebswirtschaft, im März 1987 wurde er zusätzlich stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes und im September 1987 Vorsitzender des Vorstandes der DaimlerBenz AG. 1998 wurde er Ehrenbürger von Berlin. Im selben Jahr erschienen auch seine Erinnerungen unter dem Titel „Schein und Wirklichkeit“.
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