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Karl Napf
Bache sucht Keiler …
Das schwäbische Dekameron
175 Seiten, Festeinband mit
illustriertem Überzug
11,5 x 18,7 cm
14,80 € / 27,10 Fr.
ISBN 978-3-89850-162-0
Erscheinungstermin: September 2007
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In Boccaccios weltberühmtem Dekamerone aus dem 14. Jahrhundert flohen die Personen der Rahmenhandlung vor der Pest auf ein Landgut bei Florenz. Im neuen Dekameron von Karl Napf ziehen sich sechs junge Männer und sechs junge Frauen auf eine Burg an der oberen Donau zurück – aus Abscheu vor der modernen Gesellschaft, die nur nach Geld giert. Hier hielt 1945 der Philosoph Heidegger, unberührt vom ausgebliebenen Endsieg, philosophische Vorlesungen, und auf einer benachbarten Burg erlebte die Reichsfrauenschaftsführerin große Zeiten. Die jungen Leute dagegen wollen sich allem Schönen widmen, sich lieben, sich Geschichten erzählen und sich abends darüber unterhalten. Karl Napf schreibt dazu in seinem Vorwort:
Vor einiger Zeit traf ich einen Freund aus dem Schwarzwald und erzählte ihm von meinem Plan, ein kleines Dekameron zu schreiben, da das historische von Boccaccio schon über 500 Jahre alt sei. „Da würdest du im Schwarzwald wenig Stoff für dieses Buch finden“, sagte er pessimistisch. Dazu muß man wissen, daß für die bettelarme Bevölkerung in vergangenen Jahrhunderten der Pietismus als strengste Ausformung des Protestantismus als psychisches Korsett genauso notwendig war wie die eiserne Sparsamkeit im Wirtschaften. „Zum Glück“, erwiderte ich, „gibt es bei uns auch andere Regionen, die mit Lust an dieses ‚Geschäft’ gingen und gehen, und manche Städte, wie Ludwigsburg als Residenz, errangen gar Weltniveau auf diesem Gebiet“.
Das neue Dekameron versucht in dreißig Geschichten eine Fortschreibung des erotischen Stoffes in die Gegenwart mit ihren vielfältigen Anschauungen, die das Toyota-Prinzip „Nichts ist unmöglich!“ auch auf dem Gebiet von Sex und Erotik ermöglicht. Die klassische Liebe findet heute für viele fast nur noch in Romanen statt, da sie vor allem für die modernen Führungskräfte zu zeitintensiv und zu kompliziert ist. Dafür kommt es beim Sex zu „one night stands“ oder gar „quickies“, die dem kurzatmigen Leben und Lieben der weißen Rasse angepaßt sind. Es gibt zwar noch „lover“, aber nur im Rahmen einer „Beziehung“, der dürrsten Bezeichnung für ein liebevolles Band zwischen Menschen, das es je gegeben hat.
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Coolness verhindert die Leidenschaft. Im Alltag wäre heute leidenschaftliche Liebe ein polizeipflichtiger Zustand, der sofort mit Psychopharmaka zu bekämpfen wäre. Die Liebe ist nicht mehr das Brot der Armen, dafür sorgt schon Hartz IV, aber auch kein Privileg des Establishments. Liebe, Sex, Erotik sind archaische Lebenshilfen in einer übernormierten, perspektivlosen, grauen, nur noch verwalteten Zeit.

Karl Napf, der im bürgerlichen Leben Ralf Jandl heißt, wurde 1942 in Hirschberg geboren. 1946 kam er nach Vaihingen an der Enz. Nach dem Abitur in Bietigheim ging er als Zeitsoldat zur Bundeswehr, deren Oberleutnant der Reserve er heute ist. Von 1964 bis 1968 studierte er in Tübingen Rechtswissenschaften. Danach war er Gerichtsreferendar. Nach der Tätigkeit bei den Finanzämtern Tübingen und Reutlingen wurde er Steuerlehrer an der damaligen Landesfinanzschule in Ludwigsburg. 1975 ging er ins Staatsministerium von Baden-Württemberg, wo er 1978 Persönlicher Referent von Staatssekretär Schneider war. 1980 bis Ende 2002 gehörte er der Kunstabteilung des Stuttgarter Ministeriums für Wissenschaft und Kunst an, zuletzt als Ministerialrat. Seit 1984 sind von ihm elf Bücher erschienen, u. a. „Oh heiliges Blechle“ (1986), „Der neue Schwabenspiegel“ (1989), „Der Schwabe als solcher“ (1994), „Der wahre Jakob“ (2003).
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