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Max Bächer
Mehr als umbaute Luft
Betrachtungen über Architektur und Zeitgeschichte.
Mit einem Vorwort von Arno Lederer
239 Seiten
13,5 x 20,5 cm
19,90 € / 36,00 Fr.
ISBN 978-3-89850-155-2
Erscheinungstermin: März 2008
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Wie Le Corbusier oder Oswald Mathias Ungers gehört Max Bächer zu den schreibenden Architekten. Aber anders als seine Kollegen befaßt er sich nicht nur mit Baukunst und Städtebau – ihn interessieren auch andere Themen. Von all dem bietet dieser Band eine Auswahl und demonstriert so, daß Max Bächer nicht allein in seinen Bauten ein „breites Spektrum“ auszeichnet. Ob er nun „von einem Friedhof in Venetien“ berichtet, über „das Plagiat in der Architektur“ nachdenkt, sich auf die „Suche nach der schöneren Stadt“ begibt oder über „Wohnen à la carte“ meditiert – Max Bächer fesselt mit seinen stets originellen, flott geschriebenen Essays den Leser.
Wer schon vor dem Krieg am Westufer des Gardasees zwischen Fasano und Saló Erholung suchte, erinnert sich vielleicht noch daran, daß manchmal abends gegen sechs ein schnelles Boot, bestückt mit zwei Kanonen, die friedlichen Wellen zerschnitt; an Bord, gleich einem Zinnsoldaten standhaft, ein kleiner Mann in weißer Uniform wie aus Puccinis Madame Butterfly, den stets ein Böllerschuß begrüßte, wenn er am Torre di San Marco landete.
Gabriele d’Annunzio persönlich
Das war kein Operettenkapitän, sondern der legendäre Nationalheld und Poet Gabriele d’Annunzio persönlich, der nur wenige Wochen nach seinem 100. Geburtstag am 23. Juni 1963 den Porphyrsarkophag in seinem Mausoleum auf dem Berg bezog, hoch über dem heiter bewimpelten See und über den Dächern des verwinkelten Gardone Sopra, den Park, die Villen und sein Waffenarsenal und auch die zehn erwählten Kampfgenossen unter sich lassend, die aus dem Strahlenkranz der Sarkophage zu ihrem Comandante aufblicken: im Leben wie im Tod der Größte!
25 Jahre hatte er auf diese Spitzenlage warten müssen, denn als er 1938 starb, da war das Mausoleum noch nicht begonnen und er kaum mehr als eine vergessene Reliquie. Er erlebte nicht mehr, wie ein Jahr danach Hitler, „der geschwätzige Mönch“, die Welt in Flammen setzte und auch nicht, wie sein einstiger Freund und Leibjournalist, Benito Mussolini, als gestürzter Duce in den 19 Monaten der „Faschistischen Sozialrepublik“ von Saló, fast täglich an seinem Vittoriale vorbeifuhr, bis er am Straßenrand bei Dongo exekutiert wurde. Tempi passati!
Kein Zweifel: D’Annunzio war ein großer Dichter, ein großer Kriegs- und Frauenheld zugleich, ein Lebemann zwischen Heros und Eros. Unsere Mütter und Großmütter lasen Romane wie „Die tote Stadt“, „Francesca da Rimini“, „Lust“, oder „Feuer“ mit heißen Wangen unter der Schulbank, erschreckt von kunstvoll dekadenter Indiskretion und gepflegter Morbidität. Seine kriegerischen und erotischen Eskapaden, seine Liebesbeziehung zu Eleonora Duse, der „göttlichen“ Schauspielerin, von deren Ruhm er sich reichlich bediente und die er dann auch rücksichtslos kompromittierte, waren Gesprächsthemen der gebildeten Salons.
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Vorbild für Mussolini
Daß Dichter meist dem Frieden dienten, ist eine fromme Lüge, die Jean Giraudoux durch die Gestalt des Demokos prophetisch widerlegte. D’Annunzio war ein Hazardeur und spielte mit dem Feuer. Mit zündenden Reden trieb er die italienische Jugend 1915 in den Ersten Weltkrieg, in dem er selbst mit laut verkündeten Heldentaten „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ in jeweils passender Uniform fürs Vaterland agierte. Da befand er sich allerdings in guter Gesellschaft mit der Avantgarde der Futuristen, die in Zerstörung, Krieg und Rebellion den schöpferischen Akt an sich erblickten. So war für ihn der Überfall am 11. September 1919 auf das im Krieg verlorene Fiume – das heutige Rijeka – nicht nur eine politisch militärische Aktion, sondern zugleich ein theatralisch-künstlerisches Ereignis.
Fiume wurde für den 20 Jahre jüngeren Exsozialisten Mussolini zum Vorbild, nach welchem er seine militanten Banden organisierte, die „Fasci di combattimento“, mit denen er im selben Jahr nach Rom marschierte, als d’Annunzio Fiume, die geheime Hauptstadt seines neuen Lateinischen Imperiums, im Januar 1921 räumen mußte. Die Annexion von Fiume wurde zum vaterländischen Mythos und ihr Anstifter zum Nationalhelden verklärt.
Cosimas Schwiegersohn
Gleich nach seiner siegreichen Niederlage muß sich d’Annunzio nach Gardone begeben haben, wo er schon 16 Tage später die als Feindbesitz beschlagnahmte Villa des deutschen Kunsthistorikers Henry Thode, einem Schwiegersohn Cosima Wagners, bezieht. Und hier, inmitten der arkadischen Landschaft des Gardasees, reift der Gedanke eines grandiosen Gesamtkunstwerks als Denkmal für die eigene Person: das Vittoriale.

Professor Max Bächer, geboren 1925 in Stuttgart, hat nach Abitur und Kriegsdienst in Stuttgart und Atlanta (USA) Architektur studiert und seine Ausbildung 1951 mit dem Dipl.-Ing. abgeschlossen. Er gründete 1956 ein Büro in Stuttgart, 1975 ein Zweigbüro in Darmstadt, wo er seit 1963 31 Jahre lang Professor für Entwerfen und Raumgestaltung war. Von ihm stammen Hochhäuser, öffentliche Bauten, Privathäuser, Parkanlagen, Friedhöfe und Pläne für Stadtsanierungen. 1992 wurden von ihm die Wassersportanlagen für die Olympischen Spiele in Barcelona entworfen. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht. Bächer erhielt den Paul-Bonatz und den Hugo-Häring-Preis; drei seiner Bauten stehen unter Denkmalschutz. Er ist Dr. hc. der Bauhaus-Universität Weimar.
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