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Horst Jaedicke
Er wollte alles, außer Schwäbisch
Eine Willy-Reichert-Biographie
Mit einem Vorwort von
Manfred Rommel
280 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
13,5 x 20,5 cm
Gebunden mit Schutzumschlag
19,90 € / 36.00 Fr.
ISBN 978-3-89850-200-9
Erscheinungstermin: April 2010
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Willy Reichert, 1896 in Stuttgart geboren und 1973 in Grassau am Chiemsee gestorben, war der berühmteste und populärste Komödiant Schwabens. Er hat sein Leben, wie Horst Jaedicke schreibt, hinter Glaswänden zugebracht:
vorn verspiegelt, von hinten durchsichtig. So konnte Willy Reichert die Welt beobachten, ohne das Geringste von sich selbst preiszugeben. Ihm Biographisches abzufordern, war schlicht unmöglich. Selbst sein langjähriger Hausdichter Heinz Hartwig bekam für sein Buch über ihn nur eine achtseitige Aneinanderreihung von Anekdoten. Sie war übertitelt: „Mein Leben mit mir“. Er nahm sie in sein Vortragsrepertoire auf, so daß sie jederzeit abrufbar war.
Der Autor dieser ersten Willy-Reichert-Biographie hat sich intensiv bemüht, den wahren Menschen hinter seinen Spiegelwänden zu finden. Es war ein mühsames Geschäft. Aber das Ergebnis birgt viele Überraschungen. Reichert war nicht nur der fröhliche und pfiffige Plauderer, sondern ein Mensch mit vielen Ecken und Kanten: Rastlos vorwärtstreibend, von Melancholie bedrängt, die er mit viel Rotwein zuschüttete, aber auf der Bühne war er ein Star.
Reichert hatte sich bis zu seinem 30. Lebensjahr standhaft geweigert, Dialekt-Rollen zu übernehmen, vor allem schwäbische. Er wollte der vollbühnentaugliche Schauspieler sein, der an jedem deutschsprachigen Theater auftreten konnte – und das hat er auch geschafft. Vor allem der Rundfunk war dann schuld daran, daß sich seine Abneigung gegen den Dialekt änderte.
Als Reichert 1934 auf Einladung der Schwabenvereine New York und Chicago zu einer USA-Reise aufbrach, war Hitler bereits über ein Jahr an der Macht. Voller Mitleid bot ihm auf dieser Reise ein jüdischer Hotelier für drei Jahre lang freie Logis an, wenn er Deutschland den Rücken kehren wollte. Dazu konnte er sich freilich nicht entschließen, denn im Herbst 1933 hatte er mit Emil Neidhardt die Leitung des Stuttgarter Varietés Friedrichsbau übernommen.
Zuvor hatten sie zusammen eine Kleinkunstbühne betrieben, auf der 1931 die Geburtsstunde des schwäbischen Sketchs „Häberle und Pfleiderer“ schlug, für die Reichert 1932 als Notlösung den beinamputierten Oskar Heiler als Gesprächspartner engagierte, was sich als Glücksfall erwies und den Sketch zum Klassiker machte. Im Frühjahr 1940 erwarb Reichert einen Bauernhof im Chiemgau, auf den er sich Mitte 1944 zurückzog. Nach Kriegsende trat er wieder in Stuttgart, aber auch in München auf. Es kam zur Zusammenarbeit mit dem Süddeutschen Rundfunk, dem Fernsehen und dem Film. Anfang 1973 spielte Reichert im Tatort „Stuttgarter Blüten“ mit 77 seine letzte Fernsehrolle.
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Horst Jaedicke, geboren 1924 in Stuttgart, gehörte nach Krieg und Studium zu den Mitarbeitern von Radio Stuttgart. Das Zeitschriftengeschäft lernte er bei der „Stuttgarter Illustrierten“. Als das Blatt eingestellt wurde, eröffnete er in Stuttgart einen Korrespondentenplatz für den „Spiegel“. 1952 war er in Hamburg schon in der Erprobungsphase beim Fernsehen und dort der (einzige) Redakteur der „Tagesschau“. Zwei Jahre später holte ihn der Süddeutsche Rundfunk als Chef der aktuellen Programme. Dort wurde er 1959 Fernsehdirektor und blieb es 25 Jahre lang. Daneben war er Filmproduzent, u. a. bei „Christiane F. Wir Kinder von Bahnhof Zoo“. Die Branche nutzte bis in die jüngsten Tage seine Erfahrungen, zuletzt als Chefdramaturg der Kirch-Gruppe. Seit 2001 lebt er in Italien. 2009 erschien bei Hohenheim sein Roman „Stirb später“.
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