|

Otto K. Deutelmoser
Die Ehrbarkeit und andere
Württembergische Eliten
258 Seiten mit zahlreichen
Abbildungen
13,5 x 20,5 cm
Gebunden mit Schutzumschlag
24,80 € / 44.40 Fr.
ISBN 987-3-89850-201-6
Erscheinungstermin: August 2010
|
|
Im alten Württemberg existierte eine bürgerliche Elite, die von erheblichem Einfluß auf die Politik des Landes war und „Ehrbarkeit“ genannt wurde. Eine entsprechende Schicht gab es in keinem anderen Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Diese Besonderheit ist auf das fast völlige Ausscheiden des Adels aus dem Staatsleben zurückzuführen. Obwohl von der „Ehrbarkeit“ immer wieder die Rede ist, gibt es keine allgemein akzeptierte Definition. Der Autor hat erstmals versucht, einen Überblick über die altwürttembergische Oberklasse zu geben. Zum Schluß geht er auf die Rolle des Adels und eine zweite bürgerliche Elite ein, die mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert aufkam und die er Wirtschaftsbürger“ nennt.
Zu den Bindeelementen der Ehrbarkeit zählte, wie der Historiker Hartwig Brandt geschrieben hat, die Tradition des Schreiberhandwerks ebenso wie Landexamen und die Disziplin des evangelischen Stifts nicht minder als das amusische, im Pietismus ruhende Leistungsethos, nicht zuletzt aber die verwandtschaftlichen Verfilzungen der großen Familien, „welche nach altem Herkommen netzartig das Land überspannten und an seiner formellen wie informellen Herrschaft teilhatten.“
„Jeder, der sich in der württembergischen Geschichte auskennt“, sagt dazu Otto K. Deutelmoser, „ist sich klar über die enge Bindung von Staat und evangelischer Kirche in diesem Land. Der Zusammenhang von‚politischer Klasse’ und ‚Landexamen und Stiftsdisziplin’, also der evangelischen Geistlichkeit, müßte aber erläutert werden.“ Ohne Zweifel haben das Schreiberwesen und auch der Pietismus etwas mit dem Thema zu tun. Allerdings ist die Frage, welche Rolle der Pietismus in der Ehrbarkeit spielte, schwer zu beantworten. Seine Wirkung auf die geistige und kulturelle Entwicklung ist jedoch beachtlich.
Die „politische Ehrbarkeit“, aus der die Magistratspersonen, die Landtagsabgeordneten und Beamten hervorgingen, bekam erst Gewicht, als sie im Landtag als „Landschaft“ Widerpart des Herzogs wurde. Daneben existierte die „geistliche Ehrbarkeit“ (ein Ausdruck des Historikers Hansmartin Decker-Hauff). Ihre Ausbildung in Klosterschulen bzw. Evangelischem Seminar und Evangelischem Stift in Tübingen trug u. a. im 19. Jahrhundert zur Blüte des schwäbischen Geisteslebens bei.
Die Schreiber spielten in der Verwaltung der Kommunen eine nicht zu überschätzende Rolle und übertrafen in ihrer Erfahrung oft die Vertreter von Gericht und Rat in den Amtsstädten. Aber sie waren Dienstleister und nicht Entscheidungsinstanzen, weshalb sie eher nicht zur Ehrbarkeit zu zählen sind.
|
|

Dr. rer. pol. Otto K. Deutelmoser, geboren 1927 in München und in Oberschwaben aufgewachsen, hat nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft in Tübingen studiert – zuerst einige Semester Physik, dann Nationalökonomie. Nach dem Abschluß als Diplom-Volkswirt 1953 und einer Tätigkeit bei der Commerzbank wurde er 1968 Generalbevollmächtigter und 1971 Vorstandsmitglied der Handelsbank Heilbronn. Nach deren Zusammenschluß mit zwei anderen Regionalbanken zur Baden-Württembergischen Bank gehörte er bis 1992 dem Vorstand dieses Instituts an. Seit seiner Pensionierung beschäftigt er sich mit Wirtschafts- und Landesgeschichte. 1989 erschien sein Beitrag über „Die Banken der Gründerzeit in Mannheim und Stuttgart“, 2003 sein Buch über „Kilian Steiner und die Württembergische Vereinsbank“ (2. Auflage 2004).
|